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27.06.09

Mit Europa-Säule wurde Märchen wahr

 

Kunstwerk Ulrich Möckels auf Europaplatz eingeweiht
Von Dierk Hartleb
Die Stadt hat ein neues Wahrzeichen: die Europa-Säule von Ulrich Möckel.
Standort dieses fünf Meter hohen Kunstwerks ist der Europaplatz auf der Dolberger Straße,
wo es am Samstagmorgen offiziell seiner Bestimmung übergeben wurde. Bürgermeister Benedikt Ruhmöller liegt mit seiner Vermutung vermutlich richtig, dass der Europaplatz in
weiten Kreisen der Bevölkerung noch unbekannt ist. Weil die Europaschule, wie sich
das Berufskolleg Im Pattenmeicheln nennt, nicht weit entfernt ist, habe es nahe gelegen,
dem Platz im Schnittpunkt vieler Verkehrsströme Europaplatz diesen Namen zu geben, so Ruhmöller. Für den Rathauschef, der als erster der kleinen Festgesellschaft das Wort ergriff, hat sich mit der Einweihung der Europa-Säule ein Märchen erfüllt. Und wie jedes Märchen
habe es mit „Es war einmal . . .“ begonnen. Ruhmöllers Märchenprinz ist der Bildhauer, der die Säule aus Bronze gefertigt hat. „Ulrich Möckel hat die schwierige Aufgabe hervorragend gemeistert“, bescheinigte der Bürgermeister dem Beckumer Künstler. Sie bestand darin,
mit dem Stamm der sogenannten Friedenseiche, die 1871 aus Anlass des Friedensschlusses
nach dem Sieg des deutschen Kaiserreiches über Frankreich an der Weststraße gepflanzt worden war und vor einigen Jahren gefällt werden musste, eine Plastik zu entwerfen. Dr. Andrea Brockmann, die Ruhmöller zur Märchenprinzessin erhob, weil sie den gesamten Prozess von der Ausschreibung des Wettbewerbs bis zum Gießen des Kunstwerke begleitete, beschrieb die aus zwei Teilen bestehende Säule aus Bronze, die im unteren Teil den ursprünglichen Eichenstamm in seinen Umrissen und in seiner organischen Struktur aufnimmt und im oberen Teil die zwölf fünfzackigen Sterne der Europaflagge, als Zeichen für den Frieden. Das Gold im Inneren der nach oben offenen Säule sei keine Anspielung auf die Siegesgöttin Viktoria, sondern als Aufforderung zu verstehen, Ideale wie Freiheit, Vertrauen und allgemeine Werte weiter zu entwickeln. Während der Sockel in seiner künstlichen und gewachsenen Schwarzpatina die Grundfeste des Lebens, Tradition und Geschichte, versinnbildliche, stehe der offene Kegel für das Unvorhersehbare, das Neue und die Verheißung der Zukunft, so die Kunsthistorikerin. Die Bruchstelle zwischen beiden Teilen lasse Möckel bewusst stehen. Ihr Wunsch: „Möge dieses Monument hier in Ahlen auf dem Europaplatz die Strahlkraft entfalten können, die in ihm steckt.“
Für den Sponsor – die Sparkassenstiftung für die Städte Ahlen, Drensteinfurt und Sendenhorst – ergriff Dr. Peter Lucke das Wort. Das stellvertretende Mitglied des Vorstandes der Sparkasse Münsterland Ost, bekannte sich zur europäischen Einigung und bezeichnete sich als Europäer. Dieses Kunstwerk stehe auch für die Ahlener Geschichte. Lucke forderte die Ahlener zu mehr Selbstbewusstsein auf. „Ahlen muss sich vor anderen Städten nicht verstecken“, so sein Plädoyer. „Märchenprinz“ Ulrich Möckel, zu dessen Ehren die vier Blechbläser der Musikschule unter Leitung von Stephan Senftleben die Europahymne angestimmt hatten, bedankte sich beim Bürgermeister und dem Sparkassenchef mit zwei kleinen „Holzeiern“ aus dem Holz der Friedenseiche, deren Stamm übrigens wieder bei Josef Ostermann lagert, der seinerzeit das Holz gesichert hatte.
Die Crew des Stadthallenrestaurants um Andreas Bockholt sorgte anschließend für die köstliche Bewirtung der Gäste.