: "Crash Kurs NRW" am Berufskolleg Ahlen

Welch starke Betroffenheit tödliche Verkehrsunfälle bei allen Beteiligten auslöst, erfuhren 106 Schülerinnen und Schüler am Montagvormittag im Berufskolleg Ahlen Europaschule durch Mitglieder der sogenannten Rettungskette. Die berichteten in der Präventionsaktion „Crash Kurs NRW“ von tiefgehenden Erfahrungen nicht nur an den Unfallorten. „Wir sind von der Veranstaltung überzeugt“, erklärte Schulleiter Ingo Weißenborn den Jugendlichen. Denn Hauptverursacher schwerer Verkehrsunfälle seien meist junge Verkehrsteilnehmer: „Sie alle tragen Verantwortung für sich und andere im Straßenverkehr.“

Über 600 Menschen werden im Jahr in NRW bei Verkehrsunfällen getötet, nannte Polizeihauptkommissar Bodo Kowatz in seiner Einleitung eine erschreckende Zahl. Einige der Gründe seien Unerfahrenheit, Selbstüberschätzung, hohe Geschwindigkeit oder Handynutzung am Steuer. Fotos von tödlichen Verkehrsunfällen ließen anschließend die Wucht der Kollisionen erahnen, wenn Fahrzeuge aufeinanderstießen oder sich um Bäume wickelten. Die Schilderung von Einsatzkräften ließen unter den Jugendlichen auch das letzte Geflüster verstummen – beispielsweise als Polizeioberkommissar Marc Westbomke vom Tod eines 21-Jährigen erzählte, der sein Fahrzeug gegen eine Mauer gesetzt hatte. „Er starrte mit seinen Augen in den Himmel und war einfach tot“, erinnerte sich der Polizist. Dieses Bild habe er auch nach dem Dienst im Kopf mit nach Hause genommen. Feuerwehrmann Christian Heickmann aus Beckum ließ einen Unfall auf der A 2 Revue passieren, bei dem eine Mutter ihre vor sich motorradfahrende 21 Jahre alte Tochter sterben sah: „Der Tochter fehlten viele Teile, die sonst an den Körper gehören.“ Dr. Klaus Welslau, Leitender Notarzt im Kreis Warendorf, musste erleben, wie in seinen Armen ein schwer verletzter junger Autofahrer noch am Unfallort starb. Das möchte er nie mehr erleben, verdeutlichte er den Schülern. Was nach einem Unfalltod passiert, legte Notfallseelsorger Pfarrer Friedrich Vogelpohl dar: „Die Angehörigen zu informieren, macht niemand von uns gerne. “Durch die sozialen Medien hätten viele von ihnen leider schon vorher von dem Unglück erfahren, was seine Arbeit erschwere. Angehörige reagierten immer unterschiedlich. Als betroffener Motorradfahrer, der ohne eigene Schuld verunglückte, zeigte Ulrich Simon seine Krankheitsgeschichte auf. Über zehn Monate hat er in der Uniklinik in Münster gelegen und elf Operationen über sich ergehen lassen. Am Ende verlor er einen Unterschenkel. „Das Bein tat weh, aber der Kopf war heile“, erinnerte er sich und war froh, überlebt zu haben.

(Text und Foto: Ralf Steinhorst, Westfälische Nachrichten, 09.10.2019)

 Zurück zur Übersicht