: Höhere Handelsschüler der Europaschule zu Gast im Wolfgang Borchert Theater Münster

Brechts „Mutter Courage“ beindruckt die Jugendlichen

„Theater ist kein Kino, ist anstrengender, das Gestühl unbequemer und das Publikum häufig

schon etwas in die Jahre gekommen. Und übrigens: Popcorn gibt es auch nicht.“ Jürgen

Lilienbecker, Bildungsgangleiter der Höheren Handelsschule, ist sich im Klaren darüber, dass

vielen seiner Schülerinnen und Schüler die Welt des Theaters fremd ist. Mit der

Entscheidung, mit den Jugendlichen „Mutter Courage und ihre Kinder“ von Bertolt Brecht im

Deutschunterricht zu bearbeiten, war aber klar, dass der Theaterbesuch dazugehört: „Das

muss sein! Das Stück ist nicht zum Lesen geschrieben. Der Text muss gespielt und gesehen

werden. Erst im Theater wird er lebendig“, ist sich Deutschlehrerin Ulrike Borgstedt sicher.

Die Eindrücke, die der Theaterbesuch im Wolfgang-Borchert-Theater in Münster bei den

Jugendlichen hinterlassen hat, bestätigen das: 70 Schülerinnen und Schüler der Höheren

Handelsschule der Europaschule verließen nach drei Stunden Aufführungszeit sichtlich

beeindruckt das Theater. „Es ist erschreckend, wie aktuell das Stück noch immer ist“, meint

Ömer Malkoc, Schüler der Höheren Handelsschule an der Europaschule, am Ende der

Aufführung. Bianca-Alexandra Veliscu staunt über das schlichte Bühnenbild: „Genial, wie

man mit so einfachen Mitteln so eindrucksvoll spielen kann. Das hätte ich nie gedacht.“

Worum geht es? Händlerin Anna Fierling – genannt Mutter Courage – zieht während des

Dreißigjährigen Krieges mit ihrem Planwagen von einem Kriegsschauplatz zum nächsten, um

den Lebensunterhalt für sich und ihre drei Kinder zu bestreiten. Der Krieg ist ihr Geschäft.

Gleichzeitig ist sie als Mutter bemüht, ihre Kinder vor den Gefahren des Krieges zu schützen.

Mutter oder Händlerin? Die Courage will beides unter einen Hut bekommen, will aus dem

Kriegsgeschehen Profit schlagen und verliert dabei letztlich ihre Familie.

Das Stück zeigt die vielfältigen Zusammenhänge politischer, religiöser und wirtschaftlicher

Interessen eines Krieges, entlarvt dessen Absurdität und Sinnlosigkeit und macht die

Verrohung des menschlichen Lebens in Kriegszeiten klar.

Trotz dieser bedrückenden Thematik haben die Jugendlichen den Theaterabend als

unterhaltsam erlebt. Die humorvoll gespielte und wortgewandte Mutter Courage, die

scharfzüngigen Dialoge voll entlarvender Komik und die Songs, die dem Bühnengeschehen

zusätzlich Lebendigkeit verleihen, haben dazu beigetragen. „Die drei Stunden, die diese

Aufführung gedauert hat, sind mir überhaupt nicht lang vorgekommen. Es war zu keinem

Zeitpunkt langweilig“, fasst Angelina Huss ihre Theatererfahrung an dem Abend zusammen.

Eines ist gewiss: An den Abend im Wolfgang-Borchert Theater in Münster werden sich die

jungen Erwachsenen auch dann noch erinnern können, wenn sie zahlreiche Inhalte aus

ihrem „üblichen“ Deutschunterricht wohl schon lange vergessen haben.

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