Finnland - wir kommen!

Ich beim Bedrucken von Servietten

Samstag, 10.03.2007. 01:30 Uhr. Der Wecker klingelt. Doch von Müdigkeit keine Spur, denn endlich ist es so weit: Heute geht es auf zu unserem Auslandspraktikum nach Finnland, und so treffe ich Alex, Verena, Patricia, Sebastian und Steffi frühmorgens auf einem Rastplatz in Beckum, um mit ihnen zusammen nach Düsseldorf zu fahren, denn von hier startet unser Flieger.

 

Der erste Flug führt uns nach Frankfurt und von Frankfurt geht es weiter nach Helsinki. Dick eingepackt in unsere wärmsten Wintersachen, denn in Finnland ist es ja bekanntlich sehr kalt, erreichen wir Helsinki und – siehe da - es liegt Schnee. Und nicht nur das. Die Straße ist übersät mit kleinen Kieselsteinchen – denn hier wird – wie wir später erfahren - kein Salz gestreut, sondern der Glätte mit Steinen entgegengewirkt.

 

Nach Weiterreise mit Bus und Bahn erreichen wir gegen 15.30 Uhr unsere Unterkunft in Hyvinkää. Nach kurzem Einleben in der neuen Bleibe machen wir uns auch schon auf zum nächsten Supermarkt, denn der Kühlschrank ist leer, und wir müssen uns schließlich selber versorgen. Doch schon der kleine Einkauf bringt die ein oder andere Frage mit sich, denn wie kann ich Gemüse abwiegen, wenn ich noch nicht einmal weiß, wie besagtes heißt, und welche Taste ich drücken muss? Schnell werden also unsere Englischkenntnisse gefordert und es klappt, allen Befürchtungen zum Trotze, viel besser als gedacht! 

 

Am Montag habe ich meinen ersten Arbeitstag. Wie werden mich meine neuen Kollegen aufnehmen? Und was genau muss ich wohl machen? Aber zuerst heißt es erstmal sicher in die ca. 15 km entfernte Stadt Riihimäki zu gelangen, denn dort ist das Geschäft Riihi-Kimara Oy, in dem ich die nächsten drei Wochen arbeiten werde.  

 

Nach 5-minütiger Zugfahrt und weiteren 5 Minuten Fußmarsch stehe ich also vor dem Schaufenster von Riihi-Kimara Oy. Jetzt bin ich doch etwas nervös, aber ich öffne die Tür und sofort kommt mir ein freudiges „Moi“ entgegen. Ich lerne die Geschäftsinhaberin Varpu und ihren Mann Valto kennen und fühle mich dank ihrer herzlichen und netten Art sofort wohl bei ihnen. Nach einer kleinen Führung durch den Shop nehme ich meine Arbeit als Praktikantin richtig auf. Eine meiner Hauptaufgaben besteht darin, Adressen von deutschen Exporteuren herauszusuchen, da Varpu ihre Produktpalette erweitern und dazu Ware aus Deutschland importieren möchte. Einige Artikel sind in Finnland sehr teuer und so lohnt sich der Import aus Deutschland auch für ein kleineres Unternehmen wie Riihi-Kimara Oy.  

 

Eine weitere Aufgabe ist das Bedrucken von Servietten mit individuellen Mustern, Schriftzügen oder Symbolen mithilfe einer eigens dafür hergestellten Maschine. Einige Kunden entwerfen individuelle Muster und andere möchten einfach ein paar Servietten mit einem schönen Tiermotiv bedruckt haben. Die Servietten müssen nach dem Bedrucken natürlich noch eingetütet und eingeschweißt werden. Bei größeren Bestellungen wird den Kunden die Ware nach Hause geliefert. Dabei habe ich Valto begleiten dürfen und dabei viel über die Stadt, die Firmen und die Einwohner von Riihimäki erfahren, denn wie sich herausstellte ist Valto ein hervorragender Stadtführer und es hat Spaß gemacht ihm zuzuhören. 

 


 

Eine weitere Tätigkeit von mir ist das Umdekorieren der Schaufenster und Schauräume des Geschäftes zusammen mit der Angestellten Heidi, die schon ein paar Jahre dort arbeitet. Auch das Basteln von Gruß- und Glückwunschkarten steht auf dem Programm. So vergeht die Arbeitszeit immer sehr schnell und es kommt keine Langeweile auf. 

 

Doch auch nach der Arbeit wartet ein voller Terminkalender auf uns. Oftmals wird dann in unserer kleinen Küche zusammen gekocht und danach steht ein kleiner Spaziergang an oder die Jungs, die in einem anderen Teil der Stadt in einem Wohnheim leben, kommen uns besuchen. Abends gehen wir oft in einen Pub oder Club und lassen den erlebten Tag noch einmal Revue passieren. An einem Samstag besuchen wir die finnische Hauptstadt Helsinki, ein paar Tage später sind wir schon mit der Fähre nach Estland gefahren und genießen dort einen schönen, sonnigen Frühlingstag. Natürlich darf auch der traditionelle Saunabesuch bei z. B. einer Freundin aus Hyvinkää nicht fehlen, genau wie Besichtigungen von Museen oder ein Besuch des städtischen Schwimmbades von Hyvinkää. An einem anderen Tag besuchen wir die Schule in Hyvinkää und können Unterricht und Schulleben in Finnland hautnah miterleben.

 

Die Zeit vergeht wie im Flug und schon ist es der 30.04.2007, die Koffer sind längst verstaut und wir sitzen im Flugzeug gen Heimat. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge setzen wir wieder Fuß auf deutschen Boden. Schade, jetzt ist unser Finnlandpraktikum, auf das wir uns so lange vorbereitet und gefreut haben, schon vorbei!   

 

Bleibt mir nur noch zu sagen, dass es für jeden von uns eine tolle Erfahrung war und uns viel Spaß gemacht hat. Ich rate jedem, der die Möglichkeit hat, an solch einem Projekt wie dem Leonardo-Projekt teilzunehmen, auch wirklich die Chance zu ergreifen und ein Praktikum im Ausland zu machen. Ich habe viel gelernt und mit nach Hause genommen. Die Finnen, die ich kennen lernen durfte, sind sehr nette, hilfsbereite und lebenslustige Menschen, die ich in der kurzen Zeit sehr lieb gewonnen habe. Und wer weiß, vielleicht heißt mein nächstes Urlaubsziel nicht Spanien oder Italien, sondern – Finnland!         

 

 Ingrid Westenhorst

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